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Abeja

Abeja

Hallo! Darf ich vorstellen, dies ist Abeja.
Abeja ist eine Bardino-Mix Hündin von der Insel Lanzarote.

Seit ich ein Kind war, wünschte ich mir einen Hund zu besitzen und obwohl die Serie von Kommissar Rex noch nicht einmal erdacht, geschweige denn gedreht war, war ein Deutscher Schäferhund mein großer Traum. Ihn hielt ich für die perfekte Rasse. Aber wir wohnten im 5. Stock eines Bochumer Hochhaus, ich ging zur Schule und meine Eltern waren beide berufstätig. Keine Chance für einen Hund. Als meine ältere Schwester zu Hause auszog, heiratete und sich einen flat coated Retriever anschaffte, fand ich alles so ungerecht. Ich wollte doch einen Hund haben, wenn ich auch inzwischen den Deutschen Schäferhund, der mit seinen stark bekannt gewordenen HD Problemen für Schlagzeilen in Hundezeitschriften sorgte, nicht mehr für das Non Plus Ultra hielt. Ich machte mein Abitur, eine Lehre und zog zu Hause aus. Allein in einer Wohnung, ganztägig berufstätig und inzwischen auch noch mit einem Abendstudium belastet, war ich meinem Hundetraum entfernter denn je. Doch alles sollte sich zum guten wenden. Meine Eltern, beide inzwischen Rentner, bauten das Erdgeschoss ihres Hauses in eine Einliegerwohnung um in die ich einzog und die Abendschule würde nach 3,5 Jahren auch bald zu Ende gehen. Zudem versprach meine Mutter, dass sie mich unterstützen würde wenn ich mir irgendwann einen Hund anschaffen würde. Noch immer wälzte ich regelmäßig Hundebücher auf der Suche nach meiner Traumrasse. Je länger ich jedoch suchte, desto sicherer war ich mir, dass die Rasse die ich suchte nicht existierte. Zuerst einmal sollte mein Hund eine Hündin sein, da ich bei meiner Schwester miterlebt habe welch Probleme Rüden machen können, die keinen anderen Rüden in Ihrer Nähe dulden. O.K. Kein Problem, eine Hündin lässt sich regeln. Aber der Rest? Rein äußerlich sollte mein Hund möglichst groß aber nicht all zu gefährlich aussehend sein und kurzes Fell haben. Keine durch Zucht geförderten Gebrechen sollte er haben und friedfertig sollte er sein aber nicht bedingungslos jeden Menschen schwanzwedelnd begrüßen. Fremden gegenüber sollte er reserviert aber harmlos sein. Er sollte mir jedoch bei abendlichen Spaziergängen Sicherheit vermitteln können. Er sollte Kinder mögen, die Katze meiner Eltern leben lassen und meine Meerschweinchen nicht als Snack betrachten. Sozialverträglich und für mich als Ersthundehalter nicht allen Erziehungsversuchen gegenüber resistent sollte er sein. Schwierig, schwierig.

Eines Tages machte mich meine gute Freundin Andrea, die sich in näherer Zukunft auch einen Hund anschaffen wollte, auf eine Internetseite aufmerksam, www.bardino.de. Der dortige Artikel über die mir bis dato unbekannten Bardinos faszinierte mich, jedoch konnte ich nicht glauben, dass Bardinos wirklich wie beschrieben nur gute Eigenschaften haben sollten. Aber das Interesse war geweckt. Eines Tages Anfang Nov. 2002 traf ich Andrea im Internet und sie machte mich auf ein Foto von Bardinomix Welpen aufmerksam die auf Lanzarote ausgesetzt worden waren, das auf der Internetseite der Tierhilfe Sara Lanzarote abgebildet war. Sie hatte auch schon Kontakt mit der Tierhilfe aufgenommen und erfahren, dass noch mehrere Hündinnen zur Abgabe bereit waren. Ich war absolut neidisch, aber ich hatte mir vorgenommen mich erst dann ernsthaft nach einem Hund umzusehen, wenn ich die Prüfungen meines Abendstudiums im Dezember hinter mir hätte. Meine Freundin teilte mir mit, dass die Welpen aufgrund ihres Alters wohl eh frühestens Anfang Dezember nach Deutschland ausgeflogen werden würden. Zwei Minuten später stand meine Mutter neben mir und sah sich das Foto der Welpen an.

Vermittlungsfoto
Das Welpenbild aus dem Internet im November 2002

Die Artikel die ich vorher schon über Bardinos ausgedruckt hatte, hatte sie auch schon alle lesen müssen. Ich habe sie nochmals gefragt ob sie mich wirklich bei der Anschaffung eines Hundes unterstützen würde, denn ohne Ihre Hilfe müsste das Tier den ganzen Tag alleine in meiner Wohnung verbringen und dies wollte ich keinem Hund zumuten. Ihr enthusiastisches ja ließ mich schon fast befürchten, dass nicht ich sondern meine Eltern bald einen Hund haben würden. 10 Minuten später war die Mail an die Tierhilfe geschrieben und das Warten auf die Antwort ob auch jetzt noch eine Hündin frei war begann. Es war noch eine Hündin frei. Der Wurf bestand aus 11 Hunden, von denen nur 4 überlebt haben sollen. Alles Weibchen. Ein paar Mails und drei Telefonate später bekam ich Besuch von Herrn Gramstadt von der Tierhilfe Sara, der genau wie Andrea und ich in Bochum wohnte. Er wollte sehen, ob der Hund bei mir auch gut aufgehoben sei und informierte mich über den kommenden Ablauf. Auch machte er mich darauf aufmerksam, dass Bardinos aufgrund ihres gestreiften Fells oft für Kampfhunde gehalten würden. Ich gebe zu, dass mich das etwas verunsicherte aber letztendlich war es mir egal. Der Hund sollte voraussichtlich Anfang Dezember nach Deutschland kommen.

Auf der Arbeit habe ich für diese Zeit drei Wochen Urlaub genommen in der Hoffnung, dass ich diese Zeit dann mit meinem Hund verbringen würde. Nun begann das Warten. Sowohl für mich als auch für Andrea, die eine Schwester von meinem Hund bekommen würde. Sie hatte sich einen möglichst dunklen Hund gewünscht während ich keinerlei Wünsche angemeldet hatte. Immer wieder kam etwas Angst in mir auf. Jahrelang hatte ich mir so viele Gedanken gemacht wie mein Hund sein sollte und nun wartete ich auf die Katze im Sack. Ich wusste von meinem zukünftigen Hund nur zweierlei. Er ist weiblich und ein Bardinomix. Also eine Rasse die ich noch niemals außer auf Fotos gesehen hatte. Das warten auf den ersehnten Anruf wann der Hund kommen würde war fast unerträglich und die Tatsache, dass meine Freundin in der gleichen Situation war erleichterte die Sache nicht wirklich denn wir fingen an uns gegenseitig verrückt zu machen. Was, wenn die Hunde doch nicht zu uns sondern zu jemand anderem kämen? Was, wenn diese Hunde wie ihre Geschwister sterben würden? Was, wenn die eine von uns ihren Hund bekäme und die andere nicht? Die Enttäuschung für diejenige wäre riesig. Wobei, wenn nur ein Hund käme, wer von uns bekäme den denn dann? Schließlich gab es ja noch nicht ihren oder meinen Hund, sondern nur zwei Welpen und zwei Frauen die einen Hund haben wollten. Dann am 28. November der erlösende Anruf. Beide Welpen würden am Samstagabend dem 30. November am Flughafen Münster eintreffen. Also, schnell den Urlaub noch um eine Woche vorverlegt (vielen Dank an die Firma) und die letzten Einkäufe für den neuen Hausgenossen getätigt. Am Samstag ging es dann mit Andrea in ihrem Kombi und meiner Mutter nach Münster. Wir wollten auf keinen Fall zu spät ankommen also fuhren wir rechtzeitig los. Na, ja. Genau genommen waren wir 2 Stunden zu früh da. Das Warten war schrecklich. Eine dreiviertel Stunde vor dem Flieger war Herr Gramstadt da und regelte mit uns den Papierkram, den meine Freundin und ich nur am Rande mitbekamen, weil wir so aufgeregt waren. Dann kam der Flieger. So viele Leute stiegen aus und unsere Hunde ließen auf sich warten. Aber dann. Eine alte Dame in Begleitung zweier Herren der Fluggesellschaft die ihr mit ihren beiden Gepäckwagen halfen. Auf einem ihre Koffer und auf dem anderen zwei Flugboxen vor deren Gitter Handtücher gespannt waren um die Tiere vor Zug zu schützen. Herr Gramstadt begrüßte die Dame, die darauf entgegnete „sie sind aber gar nicht mein Sohn“ und weiter marschierte in Richtung eines uns unbekannten Herrn. Zu süß. Die Dame war schon recht alt und sehr unsicher auf den Beinen aber trotzdem ließ sie es sich nehmen, sich noch immer als Flugpatin zur Verfügung zu stellen. Mit wackeligen Knien staksten wir auf die Boxen zu und schoben die Handtücher leicht zur Seite. Viel konnte man nicht sehen. In der unteren größeren Box drückte sich ein kräftiger Welpe mit weißer Blesse unsicher gegen die Rückwand und aus der oberen Box schlängelte sich eine kleine rosa Zunge aus einer schwarzen Schnauze durch das Gitter auf der Suche nach Kontakt. Ich steckte den Finger durch die Stäbe welcher von oben bis unten abgeleckt wurde. Ich glaube, in diesem Moment war entschieden, welcher der beiden Hunde meiner werden würde. Die Tränen standen mir in den Augen als Herr Gramstadt dann den Wagen packte und Richtung Ausgang schob. Am Auto angekommen hob er die obere Box ab und schickte sich an sie zu öffnen. „So, die zukünftige Besitzerin des Hundes muss ihn heraus nehmen.“ Andrea und ich schauten uns an. Wir wussten doch noch gar nicht wer von uns beiden das Frauchen von diesem Hund werden sollte.  „Nun los. Es ist ein wichtiger Moment für die zukünftige Beziehung“. Ich fasste mir ein Herz, ging zur Box und holte den Welpen heraus. Später hat mir Andrea gestanden, dass sie in diesem Moment nur dachte, „Oh Gott, das ist doch die Dunkle!“. Schließlich hatte sie sich den dunkleren Hund gewünscht.

Abeja und Maja
Abeja und Maja`s Ankunft am Flughafen

Ich holte ein kleines Fellbündel, dessen Name Abeja sein sollte, aus der Box und schloss es in die Arme. Dann war Andrea dran und holte die Größere, ihre Maja aus der Box. Wir setzten beide Hunde auf die Ladefläche des Kombis auf der wir erst einmal etwas Wasser und einen kleinen Snack servierten. Dabei bewunderten erst einmal erstaunt den eklatanten Größenunterschied zwischen den Hunden. Aber egal. Wir waren beide einfach nur glücklich mit unseren Hunden. Herr Gramstadt verabschiedete sich und wir fuhren auch los in der Annahme, auf dem Heimweg mehrfach anhalten zu müssen. Aber nichts die zwei legten sich hin, schliefen ein und rührten sich nicht mehr bis wir angekommen waren. Meine Mutter und ich stiegen aus und Andrea fuhr mit ihrer Maja nach Hause.

Abeja

Die ersten Tage und Nächte bestanden  aus viel Rennerei, (Gott sei Dank wohne ich im Erdgeschoss) und Putzerei. Aber Abeja hat schnell begriffen, dass es erwünscht ist, dass sie ihr Geschäft draußen macht, auch wenn es dort zu dieser Zeit unerträglich kalt war. Sie hat auch gelernt, dass man viel schneller wieder ins Warme kommt, wenn man nicht lange zögert sondern sich schnell abhockt. Auch wenn man vielleicht gerade mal nicht muss. Abhocken, so tun als ob man Pippi macht, Lob einheimsen und wieder zurück ins Warme. Die Kälte war für Abeja zu dieser Zeit ein riesiges Problem. Selbst die kleinsten Spaziergänge waren ihr zu unangenehm. Einmal, als wir im kleinem Park um die Ecke schon auf dem Heimweg waren, entschied sie, dass ich viel zu langsam bin und lief los. So schnell kam ich nicht nach. Ich hatte in allen möglichen Hundebüchern gelesen, dass es in solchen Fällen hilft, sich um zu drehen und in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Das tat ich dann auch. Nur hatte Abeja eindeutig keines dieser Bücher gelesen und folgte unbeirrt dem Weg nach Hause. Als ich sie schon nicht mehr sehen konnte, blieb mir also nur noch die Beine in die hand zu nehmen und los zu joggen. Ich kriegte sie natürlich nicht mehr ein und hoffte nur, dass auf der Gott sei Dank nur wenig befahrenen Straße vor unserem Haus nichts passiert. Als ich Daheim ankam, saß Abeja vor der Haustür und sah mich an als wolle sie sagen “Ich bin schon da, toll nicht? Wo warst du denn so lange?“ Meine Begeisterung hielt sich verständlicher Weise in Grenzen und die einzige Chance ihr so etwas zu verleiden sah ich darin, sie an die Leine zu nehmen und mit ihr noch eine kleine Runde zu gehen. Wer alleine nach Hause geht kommt nicht in die ersehnte Wärme. Ich weiß nicht ob dieser Erziehungsversuch „pädagogisch sinnvoll“ war, aber Abeja ist nie wieder alleine nach Hause gelaufen.  

Abeja

Abeja war zwar verspielt aber für einen Welpen trotzdem sehr ruhig und folgsam. Und sooo süß. Ich war verliebt. Dieses Tier war der perfekte Hund für mich.

Eigentlich hatte ich mir ja auch vorgenommen, dass mein Hund nicht auf die Couch darf. Aber wenn man so gemütlich auf dem Sofa liegt, den Hund wärmend und kuschelnd auf dem Bauch, was gibt es Schöneres?

Am folgenden Montag fuhr ich mit Abeja erst einmal zur Eingangsuntersuchung zum Tierarzt. Ich redete mir ein, dass sei reine Routine, aber ihre knochige Gestalt und ihr starker Durchfall machten mir schon Sorgen.

Abeja

 Vorsichtshalber habe ich direkt eine Kotprobe eingesammelt und mitgenommen. Und siehe da, Abeja hatte Würmer und Kokzidien. Das war zu erwarten gewesen und wurde dementsprechend behandelt. Maja wog am Tag nach ihrer Ankunft 8 kg. Abeja wog nur 4 kg bei einer Größe von 27 cm und das sollte sich auch erst einmal nicht ändern. Der blutige Durchfall blieb und ihr Allgemeinzustand verschlechterte sich zusehends. Ich kochte täglich Schonkost für sie die sie auch gierig verschlang und wir fuhren 6 mal die Woche zum Tierarzt, bei dem sie Spritzen bekam die Ihr von Anfang an die Angst vor dem Mann im weißen Kittel einimpften. Jedes Mal schrie sie die ganze Praxis zusammen und ich verging vor Mitleid. Von anderen musste ich mir immer wieder anhören „mit einem Hund von einem Züchter wäre dir das nicht passiert“. Und das wollte ich nicht hören, weil ich noch immer überzeugt war, das Richtige getan zu haben. Aber mir fehlten die Argumente.

4 Wochen und 270 Euro Tierarztkosten später an einem Freitag wog Abeja nur noch 3,7 kg obwohl sie schon 3 cm gewachsen war. Abeja lag vor mir und ich fing wie des öfteren an zu weinen, aus Angst sie würde das Wochenende nicht überleben.

Abeja

Ich wusste nicht mehr ein noch aus. Was sollte ich tun? Mir fiel nichts ein. Nur noch eins, ich schrieb eine eMail an Herrn Gramstadt. In schrieb mir meine Angst von der Seele und auch meine Wut die ich hatte. Der Tierarzt hatte mir gesagt, sie müsse schon vorher krank gewesen sein. Warum schickte man mir ein so krankes Tier?

Herr Gramstadt reagierte prompt, meldete sich bei mir und sorgte dafür, dass mich eine Bekannte von ihm anrief, die mir eine Tierärztin in Waltrop empfahl. Für die Kosten käme die Tierhilfe auf. Herr Gramstadt bot mir sogar an, die bisher entstandenen Kosten zu erstatten, damit nicht etwa der Verdacht entstände, dass seine Organisation durch Hundehandel nur Geld verdienen wolle. Das fand ich sehr nett aber lehnte es ab. Ich wollte nur, dass dieses Tier endlich gesund würde. Direkt am Montag machten meine Mutter und ich uns mit Abeja auf den Weg zu Frau Dr. Weber in Waltrop. Sie war entsetzt über den Zustand dieser kleinen Hündin und genauso entsetzt war sie darüber, dass ihr Kollege in Bochum weder eine zweite Kotprobe gemacht noch eine Blutuntersuchung vorgenommen hatte. Es war ihr unbegreiflich, worauf dieser Hund behandelt worden war, da doch bisher anscheinend noch gar keine Diagnose vorlag. In diesem Augenblick war mir klar, dass vor allem ich einen großen Fehler gemacht hatte. Vier lange Wochen bin ich zu diesem Tierarzt gefahren und habe zugelassen, dass er ohne Diagnose an meinem Hund herumdokterte ohne selber zu wissen, was er eigentlich tut. Viel eher hätte ich reagieren und den Tierarzt wechseln sollen. Ich bin einfach viel zu naiv gewesen. Frau Dr. Weber versuchte Abeja Blut abzunehmen was jedoch daran scheiterte, dass diese so ausgetrocknet war, dass keine Vene zu erwischen war. Die Tierärztin vermutete eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse, wodurch die Nahrung vom Körper nicht richtig auf gespalten werden kann. Dies war jedoch ohne eine Blutuntersuchung nicht sicher zu sagen. Aber länger warten ging bei Abejas Zustand auch nicht. Also gab sie uns Tabletten mit, die die Funktion der Bauchspeicheldrüse auf Trab bringen sollten. Und was soll ich sagen, der Durchfall verschwand innerhalb eines Tages. Es stellte sich auch heraus, das die Kokzidien noch nicht weg waren. Also noch einmal eine Kur und dann war auch das erledigt. Abgesehen von einigen Telefonaten waren wir in dieser Zeit bestimmt 10 mal oder mehr in Waltrop bei Frau Dr. Weber, das ist einiges an Strecke aber ich habe keinen Kilometer bereut. Inzwischen fahren auch meine Eltern mit ihrer Katze nirgendwo anders mehr hin.

Abeja
Abeja im April 2003

Endlich ging es Abeja langsam besser. Sie fing an zuzunehmen und sich wie ein Welpe zu benehmen. Plötzlich fiel ihr ein, das es die Aufgabe eines Welpen ist herum zu tollen, auf Entdeckungsreise zu gehen und Gegenstände zu stibitzen. Gerade letzteres entwickelte sich bei ihr zu einer großen Leidenschaft. Vor allem die Schmutzwäsche im Wäschekorb hat es ihr angetan. Einmal, ich hatte gerade Besuch, kam Abeja ins Wohnzimmer und stolzierte hoch erhobenen Hauptes an uns allen vorbei. Dabei stolperte sie jedoch mehrfach, da ihr ein Tanga-Slip um den Hals hing der bis auf den Boden herunter schleifte und auf den sie immer wieder trat und dabei das Gleichgewicht verlor. Stolz schleppte sie ihre Beute in ihr Körbchen und wollte dann anfangen genüsslich darauf herum zu kauen. Das habe ich als Spielverderber dann aber doch lachend verhindert. Den Wäschetick hat sie sich jedoch bis heute erhalten.

Abeja
Abeja - Winter 2003/2004

Inzwischen ist Abeja 1 Jahr alt wiegt 20 kg und hat alles aufgeholt. Schon lange braucht sie keine Tabletten mehr und beim Fressen ist sie auch heute noch gierig wie kein anderer Hund. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie überhaupt überlebt hat. Sie hat es eben lange Zeit geschafft, das Futter schneller zu fressen als es hinten wieder raus kam.

Sie ist mein ganzer Stolz und einfach ein toller Hund. Sie ist leicht zu erziehen und hört schon gut genug, um andere Hundebesitzer immer wieder vor Neid erblassen zu lassen. Sie ist eine Musterschülerin in der Hundeschule und benimmt sich auch zu hause tadellos. Sie macht nichts kaputt (von dem ein oder anderen verlockend herumliegenden Kugelschreiber mal abgesehen) und ist von Anfang an problemlos auch alleine zu hause geblieben. Ihr Jagtrieb war leicht unter Kontrolle zu bringen. Sowohl meine Meerschweinchen wie auch mein Kaninchen haben nichts vor ihr zu befürchten, was diese inzwischen auch gut genug wissen um ihr auf der Nase herum zu tanzen. Tagsüber ist sie bei meinen Eltern und ist auch dort superlieb und vertreibt sich ihre Zeit am liebsten damit, mit den dort wohnenden 2 Katzen zu spielen. Sie liebt Kinder über alles und lässt sich auch über Stunden geduldig von der dreijährigen Tochter meiner Schwester am Halsband durch die Wohnung führen. Sie verträgt sich problemlos mit allen anderen Hunden die wir treffen. Und wenn die anderen zickig werden geht sie eben, sie hat niemals Streit.

Ich wollte immer einen großen Hund. Abeja ist nur 50cm groß. Ich wollte einen Hund der Fremden gegenüber reserviert ist und mir bei abendlichen Spaziergängen Sicherheit vermittelt. Abeja ist letztens jaulend weggelaufen als plötzlich vor ihr eine ältere Dame mit einem Sonnenhut auf dem Kopf im Gras saß. Auch mit den allerstärksten Bemühungen, sie von der Ungefährlichkeit der Dame und vor allem deren Hutes zu überzeugen, lies sie sich nicht dazu bewegen sich dem „gefährlichen Objekt“ mehr als auf 30 Meter zu nähern.

Abeja
Abeja - Winter 2003/2004

Ich wollte einen Hund, der nicht all zu gefährlich aussieht. Jeder dritte hält Abeja für einen Kampfhund oder einen Kampfhundmischling, wobei jedoch ihre riesigen Ohren dazu beitragen, vielen die Angst vor ihr zu nehmen.

Ich habe mir so viele Jahre lang Gedanken darüber gemacht, wie mein Hund aussehen und sich verhalten sollte. In vielen Punkten entspricht Abeja meinem Traum von früher und in einigen nicht. Ich habe jedoch fest gestellt, dass das absolut unwichtig ist. Ich liebe meine Hündin und sie beweist mir jeden Tag auf neu, dass auch sie mich liebt. Ich bin froh, dass ich genau diesen Hund habe und bin mir sicher, ich habe es richtig gemacht, dass ich mich für einen Bardinomischling von der Strasse und nicht für einen Rassehund vom Züchter entschieden habe. Und ich weiß, das ich es immer wieder so machen würde.

Auch Andrea, die inzwischen mit Ihrer Familie und Maja nach Norddeutschland auf ein riesiges Grundstück gezogen ist, hat niemals ihre Entscheidung bereut und ist heute auch froh, dass sie die größere Hündin mit der Blesse hat und nicht die kleine Dunkle. Denn die ist ihr inzwischen viel zu quirlig.

Abeja und Maja
Abeja und Maja im April 2003

Oft, wenn ich mit meinem Hund schmuse oder kuschelnd auf der Couch liege, fallen mir die Bilder von geschundenen und ausgesetzten Hunden ein. In diesen Momenten frage ich mich, was das wohl für Menschen sein müssen, die solche Wesen so schrecklich behandeln. Wie kann man, wenn man die bedingungslose Liebe die einem sein Hund entgegen bringt, in dessen Augen sieht, so schreckliche Dinge mit ihm tun. In solchen Augenblicken schließe ich meinen Hund noch fester in die Arme und bin froh, das mein Hund dieses Schicksal nicht teilen muss.

Liebe Grüße, Corinna und Abeja

E-Mail: corinnakonie@aol.com

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