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Bruno

Hier ist meine Geschichte: Ich fange mal am besten so ziemlich am Ende an, ich glaub dann kann ich alles besser erzählen. Also erst einmal möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Bruno, habe eine Schulterhöhe von 62 cm, dünnes, halblanges, weiches Fell. Die Menschen schätzen mich auf 5 Jahre, ich weiß es leider nicht so genau, aber ist ja auch nicht so wichtig. Seit August 2002 lebe ich bei meinem neuen Rudel. Meine Menschen, Oliver und Franca, gehören dazu und zu meinem Leidwesen auch zwei Kater, Miekesch ist 10 1/2 Jahre und Gismoh ist 9 Jahre alt. Diese zwei pelzigen Gesellen waren schon vor mir da. Miekesch kommt ebenfalls aus dem Tierheim und wurde vor 10 Jahren adoptiert. Gismoh ist mit 5 Wochen eingezogen. Er wurde von seiner Mutter verstoßen und kam aus einer Hobbyzucht. Meine Menschen mag ich sehr gern, auch wenn sie vom Leben etwas andere Ansichten haben als ich teilweise. Versteh einer die Menschen, aber auch wenn es manchmal sehr mühsam für mich ist, ihre Regeln und Wünsche nachzuvollziehen, gefällt es mir hier gut. Ich hab ein warmes Zuhause, liebe Leute, viel Beschäftigung und Fressen, jeden Tag zweimal plus Leckerlis. Stell sich das einer vor. Gut, fürs Fressen muss ich was tun, aber ich brauch es mir nicht selbst zu besorgen und keine Sorgen haben, dass es mir eventuell nicht gut bekommt. Das ist meine größte Freude.

Bruno

Hier gibt es auch so tolle riesige Häuser, man nennt die glaub ich Baumärkte und Zooläden, leider darf man nur mit Leine rein, und das kann ganz schön stressig sein. Meine Leute schlendern dann immer erst durch die Regale, aber am Ende gehen wir in einen Teil dieses Hauses, in dem einfach jede Menge Futter steht. Da kann man sich nach Herzenslust voll fressen. Anfangs wusste ich gar nicht, was ich zuerst aus den Trögen fressen sollte, so viel Futter hatte ich noch nicht gesehen: Schweineohren, Pansen, Hundekekse. Oliver war immer ziemlich nervös, wenn Franca mit mir hierher ging, er schaute sich um, als wenn wir Diebe wären, dabei stand doch alles hier umher, man brauchte nur zulangen. Das ist mittlerweile mit mein liebstes Ausflugsziel, aber nun zu meiner Geschichte:

Die Leute, bei denen ich lebe, lernte ich im Tierheim kennen. Sie suchten einen Hund und ich suchte ein Zuhause. Also kamen sie nach einigen Besuchen in verschiedenen Tierheimen in meines. Hier saß ich, ziemlich erbärmlich, traurig und mit soviel Angst im Leib wie ich Haare darauf hatte, ich wollte nichts mehr fressen, wurde immer dünner und hatte ständig Durchfall. Ich hatte es aber für Heimverhältnisse sehr gut. Nette Pfleger, einen Hundekumpel im Zwinger und ab und zu mal raus zum Spazieren gehen oder in den Auslauf. Trotzdem wollte ich nur weg hier, was ich auch auf jedem Spaziergang versuchte, die meisten Leute verstanden das wohl als "unerzogen an der Leine ziehen" und wollten mich wilden Hund deshalb nicht. Na ja und in meinem Alter, mit großer Narbe, und ich sah wirklich ziemlich abgemagert aus, da hat man halt nicht die besten Chancen. Aber dann kamen ja Franca und Oliver. Die gingen auch mit mir spazieren. Ich hatte auf erneute Enttäuschung keine Lust mehr und wollte nur weg.

Bruno

So zog ich mal wieder den mir bereits bekannten Weg nach draußen, so dass mich nur Oliver halten konnte, mit Mühe. Leider wurde ich auch diesmal weder Leine noch Halsband los. Nach ca. 2 Stunden gab ich auf und schaute mich nach den Menschen um, die da an mir hingen und nicht losließen. Sie waren zwar sehr aus der Puste, aber sonst ganz nett. Sie begannen mit mir zu reden, wollten mir Leckerlis geben, aber diese vorgespielte Freundlichkeit der Menschen kannte ich schon. Ich ließ mich auf keinerlei Bestechungsversuche ein. Und man gut so, ich hatte Recht. Auch diese beiden brachten mich nach 3 Stunden wieder zurück, nur diesmal war die Stimmung komisch. Ich schaute Franca in die Augen und mir wurde irgendwie warm ums Herz. Meine eingezogene Rute blieb wo sie war, unter meinem Bauch geklemmt, auch machte ich mich so klein wie möglich, aber ich konnte ihr nicht ganz wiederstehen und schnüffelte mit rausgestreckter Nase an ihrer Hand. Dann kam auch schon der Pfleger und brachte mich wieder in meinen Zwinger. Dieser erzählte auch noch ein paar Dinge über mich, wie Hundeschule ratsam, Probleme mit Männern, sehr ängstlich, gesundheitliche Probleme, aber sonst lieb, kommt aus Süddeutschland. Ich wusste zwar nicht, das Lanzarote in Süddeutschland liegt, aber die Pfleger wussten das wohl besser. Das war's also, ich musste wohl doch den Rest meines Lebens hier verbringen.

Oliver und Franca aber kamen schon nach kurzer Zeit wieder und gingen mit mir raus. Nun schaute ich sie mir etwas genauer an, ließ mich auch anfassen, aber nicht zu oft, ich traute ihnen nicht. Das wiederholte sich dann noch einmal, und beim vierten Besuch wurde ich in ein Auto verladen und eine Pflegerin und Franca fuhren mit mir los. Zwei Monate hatte ich nun hier zugebracht. Ich fand die Idee nicht besonders toll, wieder weg zu müssen, konnte aber nicht viel ausrichten. So kam ich nach knapp einer Stunde in mein neues Zuhause. Alles war aufregend, neu und beängstigend. Ich konnte nicht schlafen, schaute erst einmal nach dem Ausgang, leider zu, und entdeckte auch noch auf der Treppe eine Katze. Somit beschloss ich wieder zu gehen, was leider nicht möglich war. Ich wurde irgendwann so müde, das ich einschlief und mein neues Leben begann. 

Bruno

Ich musste erst einmal zum Tierarzt. Das ist so mit das Schlimmste, was es gibt. Aber da ich nicht richtig fraß und wenn, sofort wieder Durchfall bekam, den hatte ich ja schon im Tierheim, kam ich nicht darum herum. Der Arzt schaute nach meinem Impfpass und in dem war sowohl meine letzte Impfung in Spanien und meine Chipnummer verzeichnet. Das machte meine Leute ziemlich nachdenklich, denn ich war ja eigentlich ein Schäferhundmischling aus Süddeutschland, Abgabegrund Zeitmangel, aber sehr lieb und katzenverträglich. Na ja, was die Menschen sich halt so ausdenken. Aber mich fragte ja niemand. Meine großen Narben am Rücken stammten wohl von einem Unfall, könnte aber auch eine Mistforke oder ähnliches gewesen sein, sagte der Arzt.

Nun begann Franca nachzuforschen. Meine Verhaltensauffälligkeiten wurden immer größer, besser gesagt, die eine gingen und die anderen traten zum Vorschein. Ich hatte Angst, vor allem und jedem, und das zeigte ich dann recht schnell mit Knurren und Bellen und Bürste. Wie man es halt macht als Hund. Und es klappte, die Menschen und anderen Dinge und Hunde, wenn ich mich eingeengt fühlte oder angeleint war, bekamen noch mehr Angst als ich. Toll oder! Ehm oder nicht, mein Rudel fand dieses Verhalten nicht so toll. Aber die wussten ja auch nicht wie gefährlich Autos, Menschen, Schranktüren, Wanderstöcke, Katzen und andere Tiere ... sein konnten. Zu meinem Rudel war ich brav, na ja nur nicht zu den Katzen.

Über Tasso e.V. erfuhr Franca dann, dass ich ein Bardino-Mix bin, und später bekam sie auch meinen vorherigen Besitzer heraus. Den rief sie an, und der erzählte dann ziemlich fadenscheinige Sachen über mich, aber auch woher er mich hatte, aus Lanzarote, aus der Th Sara und die hatten mich aus der Perrera - Tötungsstation - freigekauft. Und das ich 1 1/2 Jahre bei ihm war, dort über Zäune gesprungen wäre, mich dabei fast erhängt hätte, aggressiv sei, die Wohnungseinrichtung zerstöre ... Er wünschte mir noch alles Gute und wollte weiteren Kontakt halten. Wir sollten ihn doch auch mal besuchen kommen, so besorgt war er um mein Wohlergehen, ich hatte ihn irgendwie anders in Erinnerung. Zum Glück haben wir das nie getan. Denn so toll war es da nicht. Der Tierarzt fand nämlich noch Narben auf meinem Kopf, die noch kein Jahr alt waren. Das versuchte er natürlich möglichst zu verschweigen, leider rutschte es ihm doch raus, wie damals seine Hand. 

Bruno

Franca war darüber sehr schockiert und wütend. Sie schaute sich dann im Internet den Tierschutzverein in Lanzarote an, um zu sehen woher ich komme, so sah sie auch ein Video über Tötungsstationen. Na und nun konnte sie sich einiges erklären. Wir begannen mit Hundetraining. Schule ging gar nicht, viel zu fürchterlich, angeleint, viele Hunde und Menschen. Also Einzeltraining. Lief anfangs ganz gut, nur dann engte mich die Trainerin unabsichtlich ein, ich sagte ihr knurrend und bellend bescheid. Dann kam sie nicht mehr, schade, sie war nett und hatte auch immer leckeres Fressen, da hatte sie wohl irgendetwas falsch verstanden.

Meine Leute begannen dann, Literaturberge zu wälzen, Besitzer spanischer Hunde und eine neue Trainerin zu suchen. Mit ihr wurde dann auch alles besser. Zwischenzeitlich wurde ich dann noch kastriert. Ade ihr so verführerischen Hündinnen, ihr ward eine meiner wenigen aber leidenschaftlichen Freuden bis dahin in meinem Leben. Da ich aber vor nichts halt machte, wenn ich die Damen der Umgebung in die Nase bekam, war es auch ein ziemlich gefährliches Unterfangen. Als ich mich erholt und hormonell umgestellt hatte begann ein neues Training. Die Trainerin verstand meine Probleme und mein Verhalten und durch mein zunehmendes Vertrauen zu meinem neuen Rudel, und dank Bachblütentherapie, wurde ich dann langsam ruhiger und offener. Keiner tat mir weh und es machte Spaß zu lernen, ständig positive Verstärkung = Leckerlis, Leckerlis und viele liebe Worte. Ich lernte Grundkommandos, Leinenführigkeit und Spielen. Ich kann euch sagen, spielen ist mit das schönste was es gibt, neben Fressen, Schlafen, mit Hunden toben und Rennen, und ich kann es kaum glauben - schmusen mit Olli und Franca. So wurden wir ein gutes Rudel und eigentlich haben wir uns trotz vieler Verständigungsprobleme gut zusammen-gerauft.

Meine einzigen großen Probleme die noch da sind, sind Miekesch, Gismoh und meine Leidenschaft zum Stöbern und Jagen nach Kaninchen und Wild. Ich hab mir wirklich schon Mühe gegeben, die Kater zum Auszug zu bewegen, aber egal, ob ich sie verbelle, jage oder ignoriere, sie bleiben einfach hier. Wie kann man sich so etwas nur ins Haus holen? Und meine Menschen mögen diese Unfreundlichkeit von mir gar nicht. Na ja und Fährten von Wild oder gar Kaninchen kann ich leider nicht wiederstehen, da legt sich ein Schalter im Kopf um und ich vergesse alles um mich herum. Wenn ich dann wieder bei Verstand bin, fallen mir meine Leute ein. Und bei denen will ich ja auch bleiben. Aber dann traue ich mich nicht mehr zurück zu ihnen. Ich bleibe dann auf Entfernung stehen und hadere mit meiner Angst vor Bestrafung. Obwohl mir die beiden noch nicht ein Härchen gekrümmt haben, es sind Menschen, und man kann ja nie wissen. Franca und Oliver können sich mit meinem Hobby gar nicht anfreunden und so suchen wir hier noch nach Lösungen und arbeiten weiter daran.

Bruno

Sie wollen mir ja weiß machen, dass man mit Katzen friedlich unter einem Dach wohnen kann und auch ohne Stöbern und Jagen glücklich wird, ich kann mir das noch nicht recht vorstellen. Aber mal sehen, was daraus noch wird. Ich habe ja in den 1 1/2 Jahren hier schon vieles erfahren, was ich nicht für möglich wird. Ich bin jedenfalls sehr froh, danke alles mit Gesundheit, Geduld und Faxen machen. Ich bin einfach nur glücklich, endlich einen Platz in dieser oft sehr grausamen Welt gefunden zu haben. Und auch wenn Norddeutschland nicht gerade wetterfreundlich ist für einen Südländer wie mich, geht in meinem Herzen die Sonne auf, weil ich endlich eine Familie gefunden habe, die an mich glaubt und mich beschützt und bei der ich geliebt werde.

Bruno

Viele liebe Nasenstüber. Ich wünsche euch armen Seelen, wo auch immer ihr lebt, auch so viel Glück, wie mir letztendlich zugestoßen ist. Gebt die Hoffnung nicht auf. Vielen Dank und Pfotendruck an meine Retter, die mich freikauften und sich um mich kümmerten. Euch verdanke ich mein Leben, ich werde eure Hilfe nie vergessen. 

Euer Bruno

  Oktober 2009   Hallo Ihr Lieben,

nun sind schon über 7 Jahre vergangen, dass ich in mein neues Zuhause zog und es ist so wahnsinnig viel passiert in dieser langen Zeit, dass ich Euch von mir noch einmal erzählen möchte. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an mich, ich bin Bruno.

So langsam komme ich in die Jahre, bin ja auch schon ca. 10 Jahre alt, es zeigt sich das eine oder andere graue Haar an meiner Schnauze, selten zwickt es schon mal in der alten Rückenverletzung und auch meine Kondition hat merklich nachgelassen. Aber es geht mir sehr gut. Ich bin viel gelassener geworden und habe mich in mein Leben hier gut eingewöhnt.

Heute ist so vieles für mich selbstverständlich, was ich mir vor 5 oder 6 Jahren nicht hätte vorstellen können. Unser Rudel ist eng zusammengewachsen, wir kennen und leben mit unseren Marotten und sind ein enges Team.

 

Das Unmögliche ist war geworden: Ich habe erfahren, dass man glücklich mit Menschen leben kann, diese einen wirklich lieben und vertrauen, auch wenn es schwierig und ausweglos scheint, zu mir stehen und an mich glauben. Mit zunehmenden Vertrauen zu meinen Menschen konnte ich mich auch auf viele Situationen neu einlassen und lernen, nicht alles Fremde kostet mich mein Leben.

 

Hinzu kommt, dass ich stolz bin, wichtige Aufgaben in meiner Familie auszufüllen: Ich bin für Kopfarbeit und selbständiges Denken und Handeln zuständig, denn ich mache Dogtricks und bin im Hundezirkus. Ich lerne mal mit Franca allein und mal in einer Hundegruppe immer neue Kunststücke, die mich sportlich und geistig auslasten und im Haushalt helfe ich auch mit: ich öffne und schließe Türen, nehme Gegenstände aus Schubladen oder Einkaufskörben und tue diese auch wieder hinein und beherrsche weiterhin Elemente aus dem Dogdance.

 

Sonst kann ich einfach das Leben genießen und brauche nicht die Verantwortung tragen, wie ich früher immer dachte. Ich kann darauf vertrauen, dass meine Menschen das tun und sich um mich kümmern. Nicht einmal das Futter muß ich mir noch suchen gehen. Somit kann ich gelassen mit Franca und Oliver spazieren gehen und das Jagen hat vielerorts massiv nachgelassen. Bis auf stark frequentierte Wildgebiete kann ich ohne Leine laufen, ein riesen Glück. 

Meine großen Probleme sind zu Problemchen geschrumpft oder sind ganz verschwunden: ich brauche Fremde nicht mehr verjagen, meine Todesangst vor allem Unbekannten hat sich in eine zurückhaltende Skepsis verwandelt, ich kann gelassen an der Leine laufen, oft sogar mit dem Halsband statt dem Geschirr, finde mich in der Stadt zurecht mit all ihren Menschen, Verkehr und Lärm. Mein Zuhause ist meine Insel geworden, ein Platz, an dem ich entspannt einfach nur schlafe, döse, tobe und ich selbst sein kann, ganz ohne Angst, Gewitter und Feuerwerk nehme ich hier gelassen hin.

 

Das Undenkbare überhaupt ist passiert: ich lebe friedlich mit den Katern Miekesch und Gismo zusammen, mag sie und passe auf sie auf, damit ihnen nichts geschieht. Miekesch hat uns leider vor kurzer Zeit im Alter von 15 Jahren über die Regenbrücke verlassen, aber wir hatten eine lange gemeinsame Zeit miteinander. Nach 3 bis 4 Jahren hatte ich verstanden, dass man auch mit Katzen in einem Haushalt gut auskommen kann. Es war eine schwere Lektion.

Meine gesundheitlichen Probleme, wie der dauerhafte Durchfall, haben sich auch gelöst. Seit dem ich nicht mehr unter Dauerstreß stehe und dank Bachblüten und Schüssler Salzen, bin ich ein kerngesunder Hund. Ich benötige kein Spezialfutter mehr, da sich mein Verdauungstrakt vollständig regeneriert hat und ich nicht mehr allergisch reagiere. Wenn ich mich mit anderen Hunden in meinem Alter vergleiche, bin ich sehr fit und habe eine Kondition eines 5-Jährigen. Ich laufe nun nicht mehr 40 km/h über 2 Stunden, sondern nur noch 25 km/h über 30 Minuten. Aber 3 bis 4 Stunden flott spazierengehen möchte ich schon noch einmal pro Woche.

 

Zuhause bin ich ein ruhiger Vertreter, man hört und sieht mich kaum, ich muß auch nicht mehr ständig an Franca kleben. Wenn es doch mal zu sehr stressigen Situationen kommt, brauche ich auch nicht mehr kopflos zu flüchten, es reicht, wenn ich mich verstecke, am besten hinter Franca oder im Gebüsch. 

Viele Leute, die mich nicht kennen, finden mich merkwürdig, da ich mich nicht gleich anfassen lasse oder ihre stürmischen Hunde verbelle, die keine Distanz einhalten können. Aber alle, die mich kennen, können meine Verwandlung und “gute Erziehung” kaum glauben. Natürlich werde ich nie ein gelassener “Golden-Retriever-Typ” und auch meine fehlende Prägung zu Beginn meines Lebens wird sich nicht ausradieren lassen, ebenso wie meine Jagdpassion.

 

Alles Erreichte hat uns sehr viel Zeit, Geduld, Mühe und Liebe gekostet, aber es hat sich gelohnt. Denn trotz aller steinigen Wege, die wir gegangen sind, ich bin ein fröhlicher und glücklicher Hund geworden, liebe meine Menschen und meinen Katerfreund Gismo und genieße einfach nur mein Leben.

Ich bin glücklich über meinen “Job”, den ich brauche, denn er füllt mich aus und macht mich zu einem nützlichen und wertvollen Familienmitglied. Ich kann einfach Hund sein und werde geliebt, wie ich bin. Und so bin ich dankbar für jeden neuen Tag, denn das Leben kann auch sehr schön sein.

Ich hoffe, dass auch ganz viele von Euch Pelznasen so ein riesen Glück hatten und haben werdet, denn durch unsere Andersartigkeit eröffnen wir den Menschen eine Welt, die ihnen sonst verborgen geblieben wäre. In dem Sinne Euch alles, alles Gute und ganz viele Nasenstüber,

Euer Bruno. 

  Dezember 2012

Hallo liebe Inselhunde,
 
heute schreibe ich euch das letzte Mal. Ich bin nun fast 14, eventuell sogar schon älter, aber auf jeden Fall am Ende meines Lebens angekommen. Am 15.12.2012 musste ich meine letzte Reise antreten und mich von Franca und Oliver und Jari verabschieden und über die Regenbogenbrücke gehen. Mir ging es gar nicht mehr gut. mir tat alles weh, ich wollte nicht mehr raus. Selbst das Fressen war uninteressant geworden. in meinem Kopf war etwas gewachsen, keiner wusste was es war, aber es war nicht mehr zum aushalten. Meine Augen und Ohren wollten nicht mehr so richtig. So viele Jahre liegen hinter uns. Ich habe nun 11 Jahre in meiner Familie verbracht. Das hätte ich mir nie vorstellen können.

Unser Gismo ist schon vor 3 Jahren von uns gegangen, nur kurz nach Miekesch. Und obwohl ich Katzen nicht als meine Wahlmitbewohner betrachte, haben sie mir sehr gefehlt. Mit Gismo hatte ich mich sogar noch angefreundet, er durfte auch mal bei mir mit auf der Decke schlafen. Eigentlich war es auch ganz gemütlich zu zweit, obwohl er ein Kater war. Und er war ja so einsam ohne seinen Miekesch. Als die Beiden dann nicht mehr da waren, habe ich sie lange gesucht. Leider konnte ich sie nicht finden, sie kamen einfach nicht mehr wieder. Und so passte ich wieder viel besser auf Franca und Olli auf, nicht dass mir die Beiden auch noch verloren gingen. Aber es fiel mir immer schwerer.


 
Unser Glück zu dritt hielt leider nicht lange. Franca veränderte sich plötzlich und nach dem sie für ein paar Tage weg war, kam sie mit einem Baby wieder. Am Anfang war es noch soweit in Ordnung. Das Baby schlief ja nur oder lag irgendwo, aber es konnte sich nicht fortbewegen. Somit drohte mir keine Gefahr. Früher als ich noch jung war, da war ich gern mit Kindern zusammen, ob grosse oder kleine. Ich spielte mit ihnen und passte auf sie auf, ich genoss die Zeit mit ihrer Gesellschaft. Mittlerweile bin ich aber in die Jahre gekommen, kann nicht mehr viel sehen, das Hören fällt schwerer und die Knochen tun mir weh. Und meine Nerven sind auch nicht mehr die Besten. Durch die zunehmende Mobilität vom Baby wurde mein zu Hause auch immer bedrohlicher. Es war alles sehr anstrengend für mich geworden. Das Baby wurde grösser, fing an zu laufen und verstand einfach nicht, dass ich nichts mit ihm zu tun haben wollte, obwohl ich es ihm sehr deutlich sagte. Mir war es unheimlich, es war laut und unkalkulierbar, also sollte es mir vom Pelz bleiben. Franca wollte mich ja lange vom Gegenteil überzeugen, aber ich traute dem Baby nicht über den Weg. So zog ich mich immer weiter zurück und war froh, wenn ich einfach in Ruhe schlafen konnte. Ich war einfach überfordert mit diesem kleinen Wesen zu hause, es hatte so viel Energie und meine war so gut wie aufgebraucht.


 
Nun ist das Baby kein Baby mehr, sondern auch schon 2,5 Jahre. Für uns alle eine sehr anstrengede Zeit. Jari ist rücksichtsvoll, bringt mir mein Fressen und möchte mich auch mal anfassen. Ich toleriere es gegen Fressen, sonst möchte ich nichts mit ihm zu tun haben. Er bleibt für mich unberechenbar. Leider. die Spaziergänge sind auch zunehmend eine Qual. Ich bin angreifbar geworden, kann mich nicht mehr verteidigen und habe nur noch Angst draussen. Meine schlechten Augen und Ohren machen mir das Leben zur Qual. Es sei denn, wir sind in unserem Garten. Das ist meine Insel geworden und dort kann ich mal ausspannen. Dort kann ich die gemeinsame Zeit mit meiner Familie geniesen oder mich zurückziehen. Denn da ist viel Platz und mich kann kein Fremder Hund oder Mensch angreifen.

 
Körperlich geht es mir immer schlechter, ich kann eigentlich nicht mehr und alles kostet mich so viel Kraft. Aber als alter Strassenhund, versuche ich es so gut es geht zu verstecken. Aber es strengt mich so an. Wir müssen oft zum Tierarzt, nichts hilft wirklich. Und so haben wir beschlossen, das es Zeit ist, sich zu trennen.


 
So traurig mich dieser Abschied für immer macht, blicke ich aber auf ein erfülltes Leben voller schöner, aufregender, lehrreicher und liebevoller 11 Jahre mit meiner Familie zurück. ich hätte mir nie träumen lassen, dass mich jemand mag, wie ich bin, mich so akzeptiert und mir die schönen Seiten des Lebens zeigt. Ich habe so viele Dinge gelernt und ich hatte einen Platz in meiner Familie, die mich geliebt und nie aufgegeben hat. Auch wenn mein Start ins Leben so holperig und unschön war, ich werde die Geduld und Liebe, die Zeit und die Freude nicht vergessen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bei Franca und Olli bleiben darf. Ich bin nun froh, dass ich nicht mehr leiden muss und meinen Frieden gefunden habe. Und ich werde nie ganz verschwunden sein, da mein Platz im Herzen von Franca, Olli und Jari immer bleiben wird, so werden wir immer miteinander verbunden sein.


 
Euch Pelznasen wünsche ich ein ebenso erfülltes und glückliches Leben in einer fürsorglichen Familie. Kostet das Leben aus und geniesst es miteinander. Es lohnt sich kompromisse einzugehen, man bekommt immer auch etwas zurück.

Euch alles Gute, euer Bruno

E-Mail: franca1812@hotmail.de

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